ÜBER UNS

das kurativ ist ein gemeinnütziger Verein zur Förderung von Kunst und Kultur in Hamburg

Wir fördern den Austausch von Künstler*innen verschiedener Herkunft und aus unterschiedlichen Bereichen, insbesondere durch die Vermittlung der bildenden Kunst der Gegenwart sowie die Planung und Durchführung künstlerischer und kultureller Aktionen wie Ausstellungen, Lesungen, Performances und ähnlichem. Wir glauben an die „heilende“ (medizinisch: kurative) Kraft der Kunst, ihr Talent der Perspektiverweiterung, der Möglichkeit, Grenzen zu überschreiten, Neues zu schaffen, Demokratien zu stärken und setzen uns daher für eine niedrigschwellige Zugänglichkeit von Kunst und Kultur ein. Ende 2021 haben sich zunächst die drei Kunst- und Kulturwissenschaftlerinnen Lara, Manya und Sarah zusammengetan, um ein Ausstellungsprojekt zu planen, bevor sich ihnen im Frühjahr 2022 weitere Kunst- und Kulturinteressierte anschlossen, um sich gemeinsam langfristig für die Förderung von Kunst und Kultur einzusetzen, indem sie einen Verein gründeten.

Das Vorstandsteam wird von den drei ursprünglichen Initiatorinnen – Lara, Sarah und Manya – gebildet und ist hauptsächlich für die kuratorische und organisatorische Arbeit zuständig. Sie haben alle eine akademische Ausbildung in Kunst- oder Kulturwissenschaften durchlaufen, arbeiten seit vielen Jahren im Kulturbetrieb und fühlen sich doch manchmal wie Außenstehende. Die Herkunft aus Nicht-Akademiker*innen-Familien ist dabei eine Erfahrung, die sie teilen und als prägend wahrnehmen, wie mag es da erst anderen gehen? Fragen der Zugehörigkeit, des Barriere-Abbaus und der Öffnung des Kunstbetriebes hin zu einem diversen und vielfältigen Publikum interessiert sie aus eigener Betroffenheit ebenso wie aus einer kritisch-wissenschaftlichen Perspektive heraus.   

Nachdem sie einige Jahre zusammen in der Off-Space-Galerie nachtspeicher23 e.V. gearbeitet und dort zahlreiche Ausstellungen organisiert und Fördergelder beantragt haben, wollen sie nun ihre gemeinsamen Erfahrungen und Perspektiven in einem neuen Projekt zusammenführen. Ideell und beratend werden sie dabei unterstützt vom Rest des Vereins, der seine Profession größtenteils außerhalb des Kulturbetriebs hat und damit als beratendes Korrektiv wirkt.

Ziel der Veranstaltungen von das kurativ e.V. ist es, Neues und Etabliertes zusammenzubringen, Berührungsängste abzubauen und eine niedrigschwellige Kommunikation über Kunst und ihre oft komplexen Inhalte zu ermöglichen. Wir möchten Ausstellungen als Kommunikationsmittel verstehen und so gemeinsam mit dem Publikum und Beteiligten ins Gespräch kommen, Perspektiven wechseln, neue Sichtweisen kennenlernen und Kulturpolitik gestalten.

Manya Gramsch

Freie Kunsthistorikerin und Kunstvermittlerin

1. Welches Ziel hattest du beim Start deiner Ausbildung oder nach dem Schulabschluss?

Ursprünglich wollte ich nach der Schule gerne Psychologie studieren oder Kinderbücher schreiben und illustrieren. Als ich dann mit dem Studium in Bremen begonnen habe, wollte ich vor allem verstehen, wie Kunst und Bildstrategien der Vergangenheit die Gegenwart beeinflussen und wie sie heute noch visuell präsent sind.

In einer zielgerichteten Schlangenlinie, könnte man sagen… Nach der Zulassung für das Illustrationsstudium wechselte ich noch vor Beginn des Studiums zur Kunstpädagogik und Kulturwissenschaft an die Uni Bremen. Die Kombination aus Praxis und Theorie entsprach mir sehr, aber aus Neigung zur Theorie zog es mich für den Master dann an die Uni Hamburg zur Kunstgeschichte.

Da mir in dieser Zeit das Geld fehlte, um längere unbezahlte Praktika zu machen, fand ich mich schnell in sehr facettenreichen Jobs wieder: Von der Besucherinformation im Museum, über Kunst- und Kulturvermittlung in verschiedenen Institutionen bis hin zu freiberuflichen Aufträgen für Textarbeiten, Kuration, Eröffnungsreden oder konzeptueller Planung waren ebenso Jobs wie Büroarbeiten, Farbrestauration oder Assistenzen beim Ausstellungsaufbau und Bühnenbild dabei. Hinzukam ein Ehrenamt in einer Off-Space-Galerie. Meine heutige Freibruflichkeit hat sich gewissermaßen aus diesem Blumenstrauß heraus entwickelt.

 

3. Kurativ meint in der Medizin „heilend“ – welche Medizin kannst du anbieten?

Ob es immer heilend wirkt, weiß ich nicht – aber ich bin sehr bemüht darum, komplexe Zusammenhänge und wissenschaftliche Texte in einer niedrigschwelligen Sprache zu vermitteln und so für ein diverses Publikum zugänglich zu machen.

4. Was siehst du nicht? (Bezogen auf den Kunstbetrieb) 

Wahrscheinlich einiges! Aber ein konkretes Beispiel wäre wohl der “Brotjob” vieler Künstler*innen. Das Klischee, man wäre nur Künstler*in, wenn man sich der Kunst 24/7 hingäbe, scheint sich hartnäckig zu halten, sodass Jobs für den Lebenserhalt auch heute noch – trotz veränderter Lebensbedingungen – oft tabuisiert und nur hinter vorgehaltener Hand preisgegeben werden. Das gilt insbesondere dann, wenn man nicht als Professor*in an einer Hochschule lehrt, sondern vielleicht Kunstunterricht an einer Schule gibt, kellnert oder eine Bürostelle hat. Es wäre doch schön, wenn diese Art von Doppelbelastung zu einer Auf- statt einer Abwertung des künstlerischen Tuns führen würde.

5. Was hast du – außer Portemonnaie, Schlüssel und Handy – immer bei dir?

Einen Stein in der Jackentasche und mein Asthmaspray.

Lara Bader

Freie Kunsthistorikerin und Kunstvermittlerin

1. Welches Ziel hattest du beim Start deiner Ausbildung oder nach dem Schulabschluss? 

Zunächst wollte ich den Wunsch meiner Eltern erfüllen, nicht wie sie in der Krankenpflege zu landen. Die Idee war auf jeden Fall, etwas „kreatives“ zu machen und vielleicht zu studieren, was genau, musste ich erst noch herausfinden: Kunst, Innenarchitektur, Fotografie…

Tatsächlich habe ich mich nach dem Abi ein Jahr lang auf Eignungsprüfungen fürs Kunststudium vorbereitet. Trotz Zusagen entschied ich mich am Ende dann doch für die Kunstwissenschaften und studierte Kunst-Medien-Ästhetische Bildung und Erziehungs- und Bildungswissenschaften an der Uni Bremen. Für den Master bin ich zunächst nach Oldenburg gegangen, doch weil die Liebe zur Theorie wuchs, wechselte ich an das kunstgeschichtliche Seminar in Hamburg. Zahlreiche unbezahlte Praktika in verschiedenen Abteilungen norddeutscher Museen, Engagements für mehrere Kunst- und Kulturprojekte sowie ein Assistenzjob in der Hamburger Kunsthalle bestärkten, trotz der Aussicht auf unsichere Arbeitsplätze, meinen Wunsch, auch nach dem Studium in der Kunstbranche tätig zu sein. Die Selbstständigkeit als Kunsthistorikerin hat sich nach dem Studium allerdings eher durch Zufälle ergeben. 

3. Kurativ meint in der Medizin „heilend“ – welche Medizin kannst du anbieten? 

Die eine Wunderpille habe ich nicht, aber ich kann ein ausführliches und ganzheitliches Diagnosegespräch anbieten, um herauszufinden, wo die Probleme liegen und welche Therapie sich überhaupt für den Heilungsprozess eignen könnte.  

4. Was siehst du nicht? (Bezogen auf den Kunstbetrieb)

Ich glaube, ganz viel! Aber ich versuche, mit so vielen Menschen wie möglich darüber zu sprechen und so ein Gefühl dafür zu bekommen, was andere aus ihrer Perspektive heraus sehen, was mir vorher vielleicht gar nicht aufgefallen ist. 

5. Was hast du – außer Portemonnaie, Schlüssel und Handy – immer bei dir?  

Taschentücher. 

Sarah Thiemann

Kulturwissenschaftlerin und Vertragsmanagerin

1. Welches Ziel hattest du beim Start deiner Ausbildung oder nach dem Schulabschluss?

Unbedingt ein Studium und dann kreativ arbeiten; Hauptsache kein 9 to 5 Bürojob. Wo das mal sein könnte, wusste ich damals allerdings nicht.

Nicht unbedingt geradlinig. Dem großen Bruder gefolgt und als 2. in der Familie Abitur gemacht, dann ein Bachelor Studium (Kulturwissenschaft und Geschichte). Es folgten vier trübe Jahre mit Praktika (Kulturmanagement, Event-und Veranstaltungsbranche), Nebenjobs (Einlass und Garderobe, Hausaufgabenhilfe, Testleiterin für das LI) und Bewerbungen schreiben, um dann als Assistenz der GF im Orientteppichhandel meinen ersten „richtigen“ Job zu starten. Nach Zwischenstation am Theater, heute als Vertragsmanagerin im Bereich klinische Studien tätig. Und endlich das Gefühl, angekommen zu sein.
 

3. Kurativ meint in der Medizin „heilend“ – welche Medizin kannst du anbieten?

Absolute Zuverlässigkeit und stets ein offenes Ohr.

4. Was siehst du nicht? (Bezogen auf den Kunstbetrieb) 

Wenn man auf Hamburg schaut, dann vermutlich den Struggle, den es für viele bedeutet Künstler*in zu sein. Ein ehrlicher Blick hinter das gängige Klischee „Künstler*in“: Das Genie, das mit Rotwein und Zigarette im Atelier sitzt, von der Muse geküsst, den Pinsel oder Stift in der Hand ein Meisterwerk schaffend, das in einer „hippen“ Galerie gezeigt und verkauft wird und den Kontostand wachsen lässt. Und wie läuft es bei den restlichen 98%?   

5. Was hast du – außer Portemonnaie, Schlüssel und Handy – immer bei dir?

Kopfhörer und Kaugummis.